Der Stadtplatz in Schlüchtern vorm Rathaus aus gesehen. Foto: Alexander Gies

Gefragt sind versierte Unternehmer

Was ist aus den Empfehlungen des Einzelhandelsgutachtens 2010 für die Stadt Schlüchtern geworden? Dieser Frage gehen wir heute nach.
Als Antwort könnte man festhalten: Teilweise wurden Empfehlungen umgesetzt, aber nur, wenn Geld zur Verfügung stand oder Einzelhändler in Eigeninitiative tätig wurden. Andere Empfehlungen wurden nur halbherzig befolgt oder scheiterten grandios.
Wie der Edeka-Markt auf dem Langer/Lins-Gelände. Der Plan dafür entsprach der Anregung für einen „Ergänzungsbedarf für Lebensmittel in der Innenstadt“, wurde aber Mitte 2013 in letzter Minute abgeblasen. Mittlerweile glaubt Bürgermeister Falko Fritzsch (SPD) nicht mehr, dass es in der Obertorstraße noch mal einen  dezidierten Lebensmittelstandort geben wird. „Er hätte es unheimlich schwer, sich gegen die Läden an der Peripherie durchzusetzen“, ist er überzeugt. Trotzdem: Ein Lebensmittelladen würde nicht nur die Bewohner der Innenstadt erfreuen, sondern auch mehr Menschen fußläufig in die Stadt bringen – davon würden andere Geschäfte profitieren, glaubt die GMA.
Ein Lebensmittelangebot kann sich Fritzsch vielleicht noch im Kaufhaus Langer vorstellen. Dort wirke sich ja bereits die Rossmann-Filiale positiv auf die Kundenfrequenz aus, sagt er. Die Stärkung von Langer sei ganz wesentlich für das Geschäftsleben in der City. Der Bürgermeister kann sich vorstellen, dass ähnlich wie in der neuen Künzeller Ortsmitte Kombinationen von Handel (unten) und Wohnen (oben) angestrebt werden, zumal es immer mehr, gerade ältere Bewohner in die Innenstadt ziehe, wo sie kurze Wege vorfinden.
Dass es kaum gelungen sei, Markenstores zu etablieren, sieht Fritzsch auch der Größe der Stadt geschuldet. „Dafür sind wir mit 7500 Einwohnern in der Kernstadt einfach eine Nummer zu klein“, sagt er und erinnert an die jahrelangen, angestrengten Bemühungen Fuldas, ein H & M zu etablieren. Jüngstes Beispiel: Viele wünschen sich ein „Nordsee“-Restaurant in der Stadt, aber der Fisch-Spezialist erklärt: „Es müssen gewisse Anforderungen an Standort, Lage, Frequenz und Größe erfüllt sein. Und leider passt das alles in Schlüchtern nicht wirklich“, bedauert ein Sprecher.
Trotzdem ist Bürgermeister Fritzsch nicht unzufrieden: „Modegeschäfte wie Langer, Rech oder Flemmig, die von engagierten   Unternehmerpersönlichkeiten geführt werden, brauchen wir mehr.“
Dass es rund ums Rathaus  vor allem viele kleine Geschäftsräume gibt, wurde von der GMA beklagt. Sie riet deshalb dazu, größere Einheiten zu schaffen. Aber davon hält der Bürgermeister nicht viel: „Zuerst muss ein konkretes Interesse vorliegen, sonst wird viel Geld ausgegeben und die Läden stehen trotzdem leer“, warnt er.
Entscheidend sind also vor allem mutige, versierte Köpfe mit einer Idee, kaufmännischem Knowhow und finanziellem Rückhalt – die man sich nicht backen, sondern die man höchstens finden und ansprechen kann. In diesem Zusammenhang kommt einem aktiven Leerstandsmanagement, das Interessenten und Vermieter zueinander führt, eine große Bedeutung zu, findet die GMA. Bislang gibt es aber bloß eine Liste, die leerstehende Geschäfte auflistet. Das hilft nicht viel.
Hoffnung setzt Fritzsch auf das Programm „Aktive Kernbereiche“, das 2015 startet und unter anderem die Modernisierung von Geschäften fördern kann. Da liegt einiges im Argen. Das gilt auch für den Bereich Stadtplatz/Krämerstraße : Hier schweben Fritzsch eine Umgestaltung des Straßenraums und eventuell ein neues Gebäude vor. Das Haus der Kreishandwerkerschaft soll modernisiert werden; und in der Krämerstraße kam es zu einem Eigentümerwechsel. Fritzsch hüllt sich noch in Schweigen, was dort entstehen kann und soll. Das gilt auch für Ansiedlungspläne eines Einzelhändlers am Stadtplatz. Oder für eine baufällige Immobilie in der Fuldaer Straße. Aber immerhin: Es tut sich was.

2 Gedanken zu „Gefragt sind versierte Unternehmer

  1. günther fuchs

    Es lebe die Illusion……oder besser gesagt, das Gutachten war 2010 schon überholt. In meiner Kindheit war der Ausflug zum Kaufhaus Kerber nach Fulda schon die Krönung des Einkaufserlebnisses. Das wude später abgelöst durch Einkaufszentren wie Main Taunus Zentrum oder Bergen Enkheim etc.
    Eine ähnliche Einkaufswelt findet man heute sogar in den Randgebieten von Schlüchtern zu hauf! Die Generation “Zalando”, wenn ich sie mal so nennen darf, bestellt sich ihre Ware inclusive der Pizza oder dem Paar Schnürsenkel online und lässt sich das vor die Türe bringen. Da braucht man keinen Parkplatz zu suchen und hat sogar noch Rückgaberecht. DIESE Generation bestimmt zukünftig die Einkaufsfrequenz einer Innenstadt und wird diese gerne für Gastronomie und sonnige Eisdielen nutzen. Gekauft wird da nix…..und das ist eine Entwicklung, die man entweder bewusst ignoriert (was ich noch verstehen könnte) oder nicht kapiert hat (das wäre schlimmer)!

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  2. Ehemaliger Schlüchterner

    Ich muss in einigen Punkten dem Bürgermeister widersprechen. Leider rächen sich jetzt die Randansiedlungen und die völlig verfehlte Gestaltungspolitik in der Innenstadt. Wenn Herr Fritsch von einem Lebensmittelmarkt im Langer redet, dann sollte er mal in die Vergangenheit schauen. Das gab es alles schon mal.
    Vor vielen Jahren hat mal versucht auf dem ehem. Lins-Areal eine Einkaufspassage zu errichten. Leider wurde diese Vorhaben nie realisiert. Warum wurden die letzten Jahre immer wieder Stockwerke im Kaufhaus Langer geschlossen? Unternehmen sind aus dem Stadtgebiet in die Randbezirke gezogen. Warum haben sich hier die Verantwortlichen nicht an einen Tisch setzen können und das ganze unter einem Haus zentralisieren können? Spielwarengeschäft; Sportwarengeschäft etc. ,ein breites Spektrum unter einem Haus von verschiedenen Anbietern mit angrenzenden Parkplätzen. Das bietet das Kaufhaus Langer. Der Geschäftleitung des Langers bringen leere Stockwerke kein Geld. Konzeptmöglichkeiten gibt es genügend.
    Schlüchterns Innenstadt hat genügend Potenzial, Flair und auch genügend Einwohner (Ortsteile & Nachbargemeinden) um diese zu beleben. In den letzten Jahren hat Schlüchtern viele gute Geschäfte verloren. Das wieder aufzuholen wird schwierig, ist aber durchaus machbar.

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